Ghost of Yōtei
Ich habe mich vornehmlich auf die Hauptstory konzentriert da mir die Sammelaufgaben immer ein wenig auf den Keks gehen, die hab ich nur soweit gemacht wie ich grad dran vorbei gekommen bin. Hat aber gereicht, war selten dass ich unterlegen war durch fehlendes Gear. Hab alle Waffen gesammelt und alle Rüstungen.
Zum Spiel selbst: Tolles Open World Game, das storytechnisch nix besonderes ist. Es ist eine recht gewöhnliche Rachegeschichte, aber mit einigen netten Ideen. Atsu als Charakter ist anfangs etwas eindimensional, aber mit fortschreitender Geschichte macht sie eine deutliche Wandlung durch und am Ende ist sie ein anderer Mensch.
Die großen Highlights blieben aber leider aus, es war bis auf ein, zwei Dinge recht vorhersehbar, aber die schicke Technik und der Produktionswert haben es gerettet.
Stealth wurde leider massiv abgeschwächt, anders als in Tsushima gibt es kaum Anreize, zu schleichen und es wurden auch Mechaniken entfernt, wie zum Beispiel sich unter Häusern oder anderen Dingen kriechend zu verstecken. Das Spiel will quasi, dass du mit gezücktem Schwert volle Kanne in die Gegnermassen rennst. Daher fand ich das Vorhandensein einer eigens zum schleichen gedachten Rüstung fast schon überflüssig.
Das Kampfsystem war ganz gut, aber teils etwas ungenau, Atsu schlägt gerne mal ins leere oder den falschen Gegner, was zu Frust führte. Neu ist, dass man manchmal fallen gelassene Waffen aufheben und als Wurfwaffe nutzen kann, was fast schon zu stark ist und von mir gnadenlos ausgenutzt wurde da man damit fast jeden Gegner mit einem Treffer töten konnte.
Die Haltungen aus Tsushima wichen unterschiedlichen Waffen für unterschiedliche Gegnertypen. Katana gegen Katana, Dual Katana gegen Yari, Yari gegen Kusarigama, Kusarigama gegen Schilde und Odachi gegen dicke Gegner. Macht auf jeden Fall mehr Spaß als die öden Haltungen aus Tsushima, vor allem weil nix ineffektiv ist, man kann auch einfach beim Yari bleiben und dennoch alles besiegen.
Grafisch ist das Spiel auf der PS5 (nicht Pro, kann ich nicht beurteilen) eine Augenweide, die Charaktermodelle sind erste Sahne und die Art Direction auch. Texturen und Komplexität der Umgebung sind ein wenig schwächer, aber nicht schlecht. An Assassin's Creed Shadows kommt die reine Technik nicht ran, dazu ist es teilweise zu artistisch gehalten. Auch die vielen visuellen Hinweise sind teilweise etwas "videogamey", angefärbte Klettersteine und wie durch ein Wunder überall Seile an den entlegensten Stellen damit Atsu weiß wo man sich mit Kletterhaken einhaken kann. Nicht sehr elegant gelöst und durchaus störend.
Der Sound ist das Highlight. Tolle deutsche Sprachausgabe, wunderschöne Musik und sehr gute Umgebungsgeräusche. Gibt es nix zu meckern.
Alles in allem gebe ich dem Spiel eine sehr gute Bewertung, aber ich muss auch sagen, dass es teilweise viel zu safe spielt, sich nicht allzu viel traut und lieber die sichere Route geht. Es ist mehr vom selben, teils verbessert, teils verschlimmert. Ohne die großen Wow Effekte, die der erste Teil noch hervor rief. Kennt man den nicht, mag sich die Bewertung darüber sicher verschieben.
Das Problem in meinen Augen sind die Yōtei-Sechs. Als Antagonisten sind sie einfach ziemlich daneben, ihre ganze Motivation ist, wenn man drüber nachdenkt, eigentlich völlig Banane. Fühlte sich mehr wie ein forcierter Grund an, damit Atsu zum Onryō werden kann.
8/10