• Battlefield 1 - Test - Der Erste Weltkrieg in Aktion

    Mit Battlefield 1 wagt sich Entwickler DICE erstmals an die massiven Schlachten des Ersten Weltkrieges. Eine episodisch aufgebaute Kampagne, noch mehr Einfluss der Schlachten auf das Terrain und neue Mehrspielermodi versprechen eine abwechslungsreiche, rundum erneuerte Erfahrung im Vergleich zu bisherigen Ablegern der Reihe. Ob Battlefield 1 der Ausnahmeshooter geworden ist, den DICE versprochen hat, erfahrt ihr in unserem Test.

    Bildquelle: EA/DICE

    Das Gesicht des Krieges

    Schon im Prolog zeigt Battlefield 1, dass es in seiner Kampagne keine Kriegsverherrlichung betreiben möchte. Man findet sich als Soldat auf einem chaotischen Schlachtfeld wieder, auf dem man zeitnah ins Gras beißen wird. Geschieht dies, erscheinen Name, Geburts- sowie Todesjahr des Soldaten auf dem Bildschirm und ihr übernehmt die Rolle einer anderen Person. Dieses Spielchen führt sich etwa zehn Minuten lang fort, womit das massenhafte „Verheizen“ von Menschenleben im Krieg aufgezeigt wird. Dieses im Vergleich zu den Vorgängern der Serie ernstere Gewand steht dem Spiel wirklich gut und regt nicht selten zum Nachdenken an.

    Nach dem Prolog stehen fünf weitere etwa ein- bis anderthalbstündige Episoden zu Auswahl, die in beliebiger Reihenfolge absolviert werden können. Diese orientieren sich an realen Schlachten und zumindest teilweise an realen Personen wie dem umstrittenen britischen Offiziers T. E. Lawrence, besser bekannt als Lawrence von Arabien. In dessen drei Kapitel umfassender Episode übernimmt man die Rolle einer Rebellin, die zusammen mit Lawrence gegen Kämpfer des Osmanischen Reichs ins Gefecht zieht. Ziel ist es unter anderem, drei feindliche Offiziere in drei verschiedenen Lagern auf ein und der selben Karte auszuschalten. Die Reihenfolge und die Art des Vorgehens bleibt dem Spieler überlassen, wobei lautlos vorzugehen definitiv zu empfehlen ist.

    Diese und weitere Stealth-Abschnitte erinnern in mehreren Punkten an Metal Gear Solid V: The Phantom Pain. Zum einen lassen sich Gegner mithilfe eines Fernglases markieren, wodurch sich ihre Bewegungen auch durch Wände hindurch verfolgen lassen. Zum anderen kann man Feinde durch geworfene Patronenhülsen an bestimmte Positionen locken, um sie dort lautlos im Nahkampf auszuschalten. Die Schleicheinlagen in der Wüste erinnern zudem auch von der Umgebung her an Metal Gear Solid V. Nun kann man natürlich nicht erwarten, dass ein Shooter in Sachen Stealth-Gameplay an den Stealth-Hit schlechthin heranreicht, doch etwas mehr Möglichkeiten beim Vorgehen wären wünschenswert gewesen. Gegner lassen sich viel zu leicht mit der immer gleichen Taktik in für sie auswegslose Fallen locken, sie bewegen sich kaum vom Fleck und wenn doch, dann auf stark limitierten Routen. Außerdem können sie nur getötet, nicht bewusstlos geschlagen werden und Leichen lassen sich nicht verstecken.

    Abwechslung pur - aus Seiten der Gewinner

    Die Kampagne bietet insgesamt zahlreiche, mehr als abwechslungsreiche Szenarien, die auf verschiedenen Mechaniken des Spiels aufbauen. Mal führt es Spieler in einem Panzer durch verwüstete Dörfer, ein anderes Mal als britischer Pilot in den Himmel über London. Die jeweiligen Protagonisten sind grundlegend recht interessant und verkörpern anfangs häufig eine Euphorie für den Krieg, der ihnen schnell von der Realität genommen wird. Da die Episoden jedoch äußerst kurz ausfallen, fällt es schwer, die Figuren richtig kennen zu lernen und so eine Basis für eine Identifikation zu schaffen. Kaum hat man einige ihrer Charakterzüge kennengelernt, sind die wenigen Kapitel der Episode auch schon vorbei. Schade ist auch, dass der Erste Weltkrieg im Singleplayer nur aus der Sicht weniger Beteiligter gezeigt wird. Auch in die Rolle der Deutschen oder anderer Verlierer des Krieges zu schlüpfen, wäre mit Sicherheit interessant gewesen und hätte die Erzählung weniger eindimensional gestaltet.

    Insgesamt wirkt die Kampagne jedoch an vielen Stellen zu sehr wie ein Tutorial für den Mehrspielermodus, was sich beispielsweise darin zeigt, dass man in der primär auf Panzern basierenden Episode Stützpunkte wie im beliebten Modus „Eroberung“ einnehmen muss. Spieler arbeiten sich von Episode zu Episode durch die verschiedenen Spielmechaniken und müssen mit einer mit wenig Intelligenz gesegneten KI auskommen, die zu häufig keine Deckung sucht und blind in den nächsten Kugelhagel rennt. Trotzdem weiß die Kampagne Dank einer starken Inszenierung, den abwechslungsreichen Schauplätzen und dem technischen Gerüst des Spiels zu unterhalten. Das erzählerische Niveau bleibt jedoch meilenweit hinter Referenztiteln wie The Last of Us zurück.

    Bildquelle: EA/DICE

    Explosionen, Matsch und wildes Wetter

    Aus technischer Sicht ist Battlefield 1 auf Xbox One ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite wissen das wuchtige Sounddesign, die grafische Detailverliebtheit und das dynamische Wetter auf einigen Karten zu überzeugen. Auf der anderen Seite werden die angepriesenen 60 Bilder pro Sekunde vor allem bei hitzigen Mehrspielerduellen mit 64 Spielern selten gehalten und die dynamische aber scheinbar stets geringe Auflösung sorgt für ein matschiges Bild. Etliche Filter geben dem Spiel zwar einen eignen, dreckigen Look, der unheimlich gut zur Thematik passt, doch wirkt das ganze an vielen Stellen wie die Verschleierung technischer Einsparungen, die wohl aufgrund der begrenzten Leistung der Konsole eingeführt werden mussten. Battlefield 1 will auf Konsole mehr zeigen, als es kann, und straft Spieler dafür mit Einbrüchen der Framerate und einer gewissen Unschärfe im Bild, die sich vor allem beim Zielen auf entfernte Gegner bemerkbar macht.

    Gleichzeitig muss allerdings das hervorragende Sounddesign gelobt werden! Ständig fliegen einem Kugeln um die Ohren, explodieren Geschosse von Panzern in nächster Nähe und reißen Gebäude nieder. Dies schafft eine fast schon unheimlich dichte Atmosphäre, die von der tollen Gestaltung der Umgebungen noch untermalt wird. Egal, ob sich Spieler durch matschige Schützengräben, grüne Hügel mit uralten Festungen oder die unbarmherzige Wüste kämpfen, die Umgebungen sind einfach fantastisch gestaltet. Aufgrund dessen lässt sich auch über die negativen Aspekte der technischen Umsetzung zumindest mit einem Auge hinwegsehen.

    Bildquelle: EA/DICE

    Von Kriegstauben und Kriegsgeschichten

    Der Mehrspielermodus ist wieder einmal das Herzstück des neuesten Ablegers der Battlefield-Reihe. Die beiden neuen Modi „Operations" und "War Pidgeons“ versprechen Neuerungen und Abwechslung. Letzterer stellt eine Art "Capture the Flag“ dar, bei dem zwei Teams darum kämpfen, Tauben unter ihre Kontrolle zu bringen, eine Nachricht zu verfassen und diese abzuschicken. Haben Spieler die Taube an sich gebracht, müssen sie einige Zeit warten, in der ihre Figur automatisch die Nachricht verfasst. Stehen sie still, geht dies schneller von statten. Das eigene Team verteidigt also ihren Teamkameraden, sodass dieser die Taube möglichst ungehindert samt Nachricht davonfliegen lassen kann. Das gegnerische Team hat dann noch die Möglichkeit, den Vogel mit gezielten Schüssen aus dem Himmel zu holen.

    "Operations“ dürfte der neue Favorit vieler Battlefield-Fans werden: Reale Schlachten zwischen 1914 und 1918 werden von zwei Teams aus 20 oder 32 Soldaten nachgespielt, die sich über zwei oder drei Karten strecken. Eines der Teams ist stets auf dem Vormarsch und muss versuchen, nach und nach Gebiete einzunehmen, um so immer weiter auf der Karte vorrücken zu können. Das andere Team hat das Ziel, dies zu verhindern. Die Gefechte werden während der Ladezeit der Karten von kurzen Einleitungen untermalt, die die historischen Umstände darstellen. Dies gibt den Kämpfen einen Hauch an Bedeutung. Die wahre Stärke von „Operations“ ist jedoch seine Länge. Kämpfe können schnell eine ganze Stunde dauern, in denen ihr immer mehr in einen Tunnel geratet, in dem es nur noch gilt, die nächste Stellung einzunehmen oder den letzten verbliebenen feindlichen Soldaten zu erwischen.

    Neben den beiden genannten Neuerungen finden natürlich wieder die allseits beliebten Modi „Eroberung“, „Vorherrschaft“ und „Rush“ Einzug ins Spiel. Bei „Eroberung“ gilt es, Stellungen einzunehmen und möglichst lange zu halten, um so als erstes Team eine bestimmte Punktzahl zu erreichen. „Vorherrschaft“ ist im Grunde der gleiche Modus, doch fokussieren sich die Karten hier eher auf hitzige Infanteriegefechte anstelle der Panzer- und Flugzeugschlachten in „Eroberung“. In „Rush“ hingegen geht es darum, Bomben an jeweils zwei Positionen anzubringen und sich vom gegnerischen Team nicht zu lange davon abhalten zu lassen. Auch Freunde besonders kurzweiliger Shooteraction kommen auf ihre Kosten: Für sie gibt es den klassischen Modus „Team-Deathmatch“, der einfache Infanteriekämpfe auf engem Raum anbietet.

    Alle Modi wirken recht gut ausbalanciert und machen eine Menge Spaß. Lediglich die zu zahlreichen optimalen Positionen für Sniper und die besonderen Vehikel für zurückliegende Teams wirken nicht immer Fair in ihrem Einfluss auf das Spiel. Liegt eines der Teams weit zurück, erhalten sie in „Eroberung“ und „Operations“ beispielsweise einen Zeppelin mit zahlreichen Geschützen oder einen gepanzerten Zug zur Hilfe, sodass das Team nicht völlig untergeht. Diese speziellen Vehikel sind beim richtigen Einsatz jedoch übermächtig stark, was einerseits zwar deren Sinn entspricht, doch andererseits haben sie in meinen zahlreichen Runden im Mehrspielermodus deutlich zu häufig das gesamte Spiel gedreht. Es ist jedoch anzunehmen, dass DICE in kommenden Patches noch am Balancing schrauben wird.

    Bildquelle: Screenshot

    Automatische Waffen in Hülle und Fülle

    Die Waffenauswahl ist deutlich geringer als in vorherigen Ablegern der Battlefield-Reihe. Gleichzeitig lassen sich die Waffen aber weiterhin mit zahlreichen Modifikationen ganz an eure Vorlieben anpassen. Besonders zu gefallen weiß die Option, die Visiervergrößerung manuell einzustellen. Auffällig ist, dass erstaunlich viele Automatikgewehre Einzug ins Spiel gefunden haben, die im Ersten Weltkrieg bei weitem nicht so verbreitet waren, wie sie im Spiel auftreten. Das bricht zwar einerseits mit dem realen Vorbild des Spiels, doch muss man anmerken, dass sich Battlefield an keiner Stelle anmaßt, eine haargenaue Darstellung historischer Ereignisse zu sein. Es handelt sich schließlich noch immer um ein Unterhaltungsprodukt und wenn automatische Waffen für ein spaßigeres Gunplay sorgen, dann kann man die daraus resultierende historische Unschärfe gelassen hinnehmen.

    Das Fortschrittssystem wurde ebenfalls überarbeitet. Waffen erhaltet ihr nun nicht mehr durch Battlepacks, die nun nach jeder Runde scheinbar zufällig verteilt werden, sondern durch Kriegsanleihen. Dies ist die Universalwährung für Waffen und Gadgets, die ihr durch Levelaufstiege verdient. Nun lässt sich allerdings nicht jede Waffe von Beginn an erwerben, da sie alle an das Level der vier im Spiel enthaltenen Klassen gebunden sind. Dieses steigert man wie auch das allgemeine Level durch das Erwerben von Erfahrungspunkten durch Abschüsse, das Einnehmen von Stellungen und weiteres.

    Damals war alles... langsamer

    Abschließend muss noch etwas Kritik an der Menüführung und den Ladezeiten geübt werden. Letztere dürften den Geduldsfaden von vielen Spielern bei weitem überspannen, da es teilweise mehrere Minuten dauert, bis eine Onlinekarte geladen ist und man sich endlich in die Schlacht stürzen kann. Auch die Menüführung sorgt für Unmut, da sie einfach nicht flüssig funktioniert. Eingaben werden teilweise nicht erkannt und die Navigation durch die Unterpunkte dauert durch Eingabeverzögerungen gefühlt eine halbe Ewigkeit. Ärgerlich ist auch, dass man nach einer Onlinepartie nur wenige Sekunden Zeit hat, um den Bildschirm mit der Punkteverteilung zu verlassen, wenn man keine weitere Runde starten möchte. Ist dieser Zeitpunkt verpasst, muss man besagte Ladezeit in Kauf nehmen, um erst beim Start der neuen Runde ins Menü zurückkehren zu können.

    Bildquelle: EA/DICE

    Fazit

    Battlefield 1 ist in seiner Gesamtheit ein wirklich guter Shooter geworden, der viele Fans von hitzigen Gefechten auf großen Mehrspielerkarten lange Zeit unterhalten sollte. Bei der Kampagne hat sich Entwickler DICE im Vergleich zu den Vorgängern um ein ganzes Stück verbessert, doch bleibt sie erzählerisch leider ziemlich flach. Das Herz des Spiels ist wie immer der Mehrspielermodus, der mit seinen zahlreichen Modi und der verbesserten Zerstörung der Umgebung zu gefallen weiß. Lediglich kleinere Abstriche im Bereich der Technik auf Konsole können den Spielspaß etwas bremsen. Insgesamt ist Battlefield 1 allerdings der heißeste Anwärter auf den Award des besten Shooters des Jahres!


    Wertung 8,5


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